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Thermentrubel

Wenn in der Therme zuviel Trubel herrscht

Knapp fünfzig Thermen gibt es in Österreich und jedes Jahr kommen neue Thermen dazu. Sie alle versprechen Erholung und ruhige Stunden. In Wirklichkeit trifft der Gast oft auf volle Hallen und einen hohen Lärmpegel.

Thermen im Härtetest

An den Besuch in einer steirischen Therme erinnert sich ein Ehepaar aus Niederösterreich mit gemischten Gefühlen. "Das Angebot war zwar gut, aber es es gab einfach zu viele Besucher. Egal, in welchem Bereich der Therme wir uns aufgehalten haben, fast nirgends fanden wir eine freie Liege. Außerdem war es uns zu laut." erzählt das Ehepaar. So oder so ähnlich klingen die Erfahrungen zahlreicher Thermengänger.

Wieviel verträgt eine Therme?

Tatsächlich ist in vielen der der mittlerweile fast fünfzig Häuser von der ursprünglichen Idee einer Therme, also die Erholung im badewannenwarmen Wasser aus der Tiefer der Erde zu finden, kaum noch etwas zu bemerken. Thermen, die sich als Familien- und Freizeiteinrichtungen sowie als Schlechtwetter-Alternative anbieten, haben enorme Auslastungsspitzenan Wochenenden und Feiertagen, bestätigt der Marktforscher Andreas Kreutzer. "Im Durchschnitt wird eine Therme an siebzig Tagen im Jahr wegen Überfüllung vorzeitig geschlossen. Vorallem in den sogenannten Erlebnisthermen kann der Lärmpegel für Wellness-Suchende schnell zu hoch werden." Schuld daran ist der Konkurrenzdruck unter den Thermenbetreibern. Bereits acht Millionen Gäste besuchen pro Jahr österreichische Thermen. Aufgrund des weitgehend gesättigten Thermen-Marktes ist ein weiterer Zuwachs aber begrenzt. In Folge ist vielen Betreibern jeder Besuchertypus willkommen, auch wenn die Bedürfnisse der einzelnen Gruppen unterschiedlich sind. Doch die "Alle-Zielgruppen-Konzepte vieler Thermen vertreiben zunehmend den spendablen Wellness-Gast in exklusive Wellness-Hotels", sagt Kreutzer.

thermencheck.com"

Auch Michael Semmler, Betreiber der internationalen Internet-Plattform thermencheck.com, kritisiert das mangelnde Profil bei vielen Thermen. "Wenn sich die Thermen in Zukunft ähnelnund keine spezielle Ausrichtung wählen, haben sie keine Chance. Sie sollen sich nicht kanibalisieren, sondern aufteilen." Da bei vielen Thermenbetreibern mittlerweile die Ausrichtung auf Familien am beliebtesten ist, muss der Erholung suchende Gast ein wenig genauer hinsehen, bevor er sich für eine Therme entscheidet.

Thermalwasser

Das erste ausschlaggebende Kriterium sollte die Frage nach dem Thermalwasser sein. Denn der Begriff Therme garantiert keineswegs, dass das Badewasser echtes Thermalwasser ist. "Erkundigen Sie sich, ob das Wasser tatsächlich aus einer natürlichen, heißen Quelle durch eine Tiefenbohrung geholt wird oder ob es lediglich erwärmtes Leitungswasser ist. Echtes Thermalwasser ist mineralstoffhaltig mit einer natürlichen Wassertemparatur von mindestens 20 Grad Celsius. Es lindert verschiedene Beschwerden wie Rheuma, Muskelverspannungen oder Hauterkrankungen.

Ruhe und Entspannung

Zur Entspannung von Körper und Geist trägt neben echtem Thermalwasser auch die Ruhe bei. Mit dieser ist es aber meist schnell vorbei, wenn sich die Therme als Famielienhallenbad positioniert. Die besten Chancen haben Ruhe suchende Gäste in Heilthermen wie etwa in Bad Waltersdorf in der Steiermark. Spielangebote und Unterhaltungsprogramme gibt es dort nicht. Andernorts wird über den Eintrittspreis der Besucherstrom reguliert. In der Therme Bad Blumau ist die Tageskarte mit mindestens € 39,- überdurchschnittlich hoch. Zusätzlich ist ihre Zahl mit 150 pro Tag beschränkt. Doch es gibt auch Betreiber, die den Spagat schaffen, das heißt Familien gut unterhalten und dem Wellness-Gast Ruhe bieten. Ein gelungenes Beispiel dafür ist der Aqua Dome in Tirol. Dort gibt es zwar einen Kinderbereich, doch der ist baulich komplett von den Ruhebereichen der Therme getrennt. Sauna, Dampfbad, Restaurant, Duschen, offene Schalenbecken mit Blick auf die Ötztaler Alpen - Gäste die ihre Ruhe haben wollen, finden die gesamte Infrastruktur in ihrem eigenen ruhigen Bereich der Therme.

Grundsätzliche Empfehlung

Grundsätzlich empfiehlt der Thermenexperte, eher kleinere Badetempel aufzusuchen wie etwa die Thermen in Bad Hall oder Bad Ischl und wenn möglich, die Meinung anderer Gäste über die ausgesuchte Therme einzuholen.

Thermenhotels

In manchen Fällen bieten sich Thermen-Hotels den abtrünnigen Thermengängern als Alternative an. Beliebt sind vor allem Hotels, die in ihren hauseigenen Anlagen das gleiche Wasser benützen dürfen wie die nahe gelegene Therme. Tagesgäste sind oft nicht erlaubt und so bleibt der Lärmpegel deutlich niedriger als in den öffentlichen Häusern. Doch auch unter diesen Anbietern versteht nicht jeder die Bedürfnisse eines Erholung suchenden Gastes.

Information und Bewertung zur Therme Wien

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