Entstehung der Wiener Hochquellwasserleitung

Erste Gedanken zur Wiener Hochquellwasserleitung

Als 1861 bereits die siebenfache Menge an Wasser dessen, was die Kaiser-Ferdinands-Wasserleitung lieferte, notwendig war, kam es zu einer öffentlichen Ausschreibung in der Wiener Zeitung für ein neues Wasser - Versorgungssystem. Es gewann das Projekt des Wiener Geologen und Gemeinderats Eduard Suess und seines Mitarbeiters Carl Junker, welches eine 120 km lange Wasser - Fernleitung, Wasserspeicher, und ein Wasser - Verteilungssystem beinhaltete. Der Wiener Gemeinderat stimmte dem Projekt am 12. Juli 1864 zu. Somit wurde der Grundstein zur ersten Wiener Hochquellwasserleitung gelegt.

Bau der Wiener Hochquellwasserleitung

Die Bauarbeiten begannen 1870. Nur drei Jahre später wurde die vom niederösterreichischen Rax-Schneeberg-Gebiet entlang der Thermenlinie nach Wien führende erste Wiener Hochquellwasserleitung fertiggestellt und anlässlich der Weltausstellung am 24. Oktober 1873 als Europas größte Wasserleitung von Kaiser Franz Joseph I. eröffnet. Zur Erinnerung an dieses Wasser - Bauwerk wurde in Wien der Hochstrahlbrunnen am Schwarzenbergplatz errichtet. Gleichzeitig wurden die Wasser - Hochbehälter am Rosenhügel, auf der Schmelz, am Wienerberg und am Laaerberg gebaut.

Bereits 1888 waren 90 % der Wohnhäuser des damaligen Wien an das Netz angeschlossen, womit der Großteil der etwa 900.000 Einwohner mit sauberem Trinkwasser versorgt werden konnten. In jeder Etage gab es einen Wasserhahn mit Emaillebecken - die noch heute in zahlreichen Häusern dieser Zeit vorhandene Bassena.

Am 6. November 1896 wurde mit dem Wasser - Pumpwerk Breitensee in der Hütteldorfer Straße 142 das erste Wasser - Pumpwerk in Wien in Betrieb genommen.

Nach langem Rechtsstreit wurde zwischen 1895 und 1898 in Untertullnerbach von der belgischen Compagnie des Eaux de Vienne, Societé anonyme der Wienerwaldsee errichtet. Das im Wientalwasserwerk aufbereitete Wasser wurde als Nutzwasser an die Stadt Wien verkauft, die es an verschiedene Abnehmer weiterverkaufte. 1958 erwarb die Stadt Wien das Wasserwerk und nutzte es nach entsprechenden Umbauten bis 2004 als Trinkwasserwerk. Heute dient der Wientalstausee als Retensionsbecken - also als Regenrückhaltebecken.

Durch die rasante Stadtentwicklung reichte das von der ersten Hochquellwasserleitung gelieferte Wasser bald nicht mehr aus. Deshalb wurde bereits am Anfang des 20. Jahrhunderts unter Bürgermeister Karl Lueger die zweite Wiener Hochquellwasserleitung errichtet. Diese wird von Wasser - Quellen im Hochschwabgebiet gespeist und wurde 1910 ebenfalls von Kaiser Franz Joseph eröffnet.

Seit 1966 existieren die Wasser - Tiefbrunnen in der Lobau, auf welche in Sonderfällen oder bei außergewöhnlich hohem Wasserverbrauch zurückgegriffen wird. Das Wasser ist Uferfiltrat der Donau, welches durch die lange Fließzeit im Untergrund etwas härter als Quellwasser ist.

In den 1970er-Jahren wurden im östlichen Wiener Becken, der Mitterndorfer Senke, Grundwasserseen erschlossen. Wegen der Grundwasserverunreinigungen, unter anderem durch die ehemalige Fischer-Deponie, muss dieses Wasser jedoch aufbereitet werden. Die vielen Wasser - Tests und Verfahren dauerten bis 2004, so dass sie erst seit 2006 Wasser liefert.

Die Wienerinnen und Wiener können sich genauso, wie die restlichen Österreicher, glücklich schätzen solch sauberes Trinkwasser jederzeit aus der Wasserleitung trinken zu können.

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